Weihnachtsgeschichten

Bernd Schneid: Weihnachtsfreunde

Leseprobe


Get up! Get up. Get up! Get up. Mein CD-Player hing gleich bei den ersten Liedern. Aus den Lautsprechern kam der Sound von Iboga Records, einem finnischen Label. Sven schenkte mir den Sampler Playground zu meinem Geburtstag.

Zuvor hatte ich versucht, etwas von einem schon emeritierten Professor der LMU zu lesen - mit wenig Erfolg.

Get up! Get up. Get up! Get up. Finnischer Goa hatte etwas. Ich wusste nicht, was ich weiter anstellen sollte. Also blieb ich auf dem Bett sitzen und rauchte.

Get up! Get up. Get up! Get upp. Die Tage waren kurz. Schon um 16 Uhr war es dunkel. An Heiligabend war ein Halo um den Mond zu sehen. Auf einen Spaziergang hatte ich keine Lust. Es war ohnehin bald so weit.

Das erste Lied war mittlerweile bei der siebten Minute angekommen ...

Dann kam das zweite ...

Tiefer Herzschlag: Bumm, bumm. Bumm, bumm. Erinnerte mich ein bisschen an ein Projekt eines Freundes, der auch ein Arbeitskollege von mir war, der aus der Nähe von Memmingen kam. Er machte einige Jahre lang mit seiner Playstation selbstproduzierten Sound - mit erstaunlichem Erfolg, wie ich immer wieder zu hören bekam.

Bumm, bumm. Bumm. Die letzten Herzschläge. Dieser Freund starb vor nun fast einem Jahr in einer wilden Silvesternacht, als er mit seinem Auto auf Glatteis ins Schleudern geriet und in einen Graben geworfen wurde.

Bumm, bumm, bumm, bumm, bumm, bumm ... Das Schlagen wurde heftiger. Der Chill-out-Mode war vorbei. Was ist ein Freund? Freunde kommen und gehen, doch du und ich, wir haben uns nur im Schlachthaus gesehen.

Bumm. Bumm. Bumm. Es klopfte. Ich stand auf, öffnete das Fenster und wurde von einem Schneeball an der linken Schulter getroffen. Ich fühlte die Nässe. Draußen standen meine Freunde. Sie hatten gefüllte Taschen, wie ich mir vorstellte, mit Myrrhe und Salbei. Ich freute mich.

Als ich die Tür öffnete, zog mir Verena eine Nikolausmütze mit Hasenohren über. Alle hatten diese Mützen auf. Es sei der neueste Gag zur Weihnachtszeit, quasi Skihasen-Nikolaus-Bunny.

Wir hatten seit unserem fünfzehnten Lebensjahr den Ritus, uns am zweiten Weihnachtsfeiertag zu treffen. Wie unsere liebe Freundin Angelika immer sagte, würden wir eine Fortifikation gegen die erkaltete Zivilisation bauen, die uns alle einmal an Vereinsamung sterben lassen werde, da der Mensch nicht fürs Alleinsein gemacht sei im vom Egozentrismus beherrschten Sozialismus. Was uns fehle, sei vor allem die Rotation der Großfamilie. Während sie diesen Vortrag als Einstimmung hielt, goss Verena jedem von uns aus einer Riesenthermoskanne selbstgemachten Chai-Tee ein.

Sie möchten wissen, wie es weitergeht?
Die Fortsetzung finden Sie in diesem Buch

Weihnachtsgeschichten Weihnachtsgeschichten
Hrsg. Ronald Henss
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-9809336-9-8

beim Verlag bestellen
bei amazon bestellen

»»» Zur nächsten Geschichte

© Dr. Ronald Henss Verlag     Home Page