Jutta Baur: Ein Tag im JuliLeseprobeDas Geräusch sitzt tief in meinem Kopf. Es hat sich so fest hineingegraben, dass ich ihn manchmal schütteln muss, um das Klirren loszuwerden. Morgens, mittags, abends - ein endloses Lied von quietschendem Metall! Auch wenn ich die Hände ganz fest auf die Ohren presse, höre ich die Schlüssel, die sich drehen und diesen entsetzlich quälenden Ton von sich geben. Seit 25 Jahren Tag für Tag: Gitterstäbe und Schlösser. Ich habe oft überlegt, ob ich versuchen sollte, in die Wäscherei zu kommen oder zur Baukolonne. Es ist verdammt hart, sich im Sommer 12 Stunden lang die Sonne auf den Kopf brennen zu lassen. Die Hitze kann hier im Juli so mörderisch sein, dass man kaum genügend trinken kann, um den ganzen Schweiß zu ersetzen. Da machen viele schlapp. Vielleicht lässt sich etwas mit der Wäscherei machen. Schließlich bin ich lange genug hier und kenne die richtigen Leute ... Ich muss unbedingt das Geräusch loswerden. Es gab eine Zeit in meinem Leben, da lag die Zukunft hell und glatt vor mir, wie die Felder meines Vaters in der Sonne Oklahomas. Ich mochte es, Dad auf der Farm zu helfen. Schon als kleines Kind träumte ich davon, irgendwann einmal den Traktor zu fahren. 38er Baujahr - ziemlich alt. Aber wenn er den Pflug hinter sich herzog und tiefe Furchen im Ackerboden zurückließ, war er mächtig beeindruckend. Dad war seit Moms Tod im vergangenen Herbst brummiger geworden. Sie fehlte ihm. Es waren schwere Zeiten, denn nun mussten wir neben der ganzen Feldarbeit auch noch alles im Haus erledigen. Wenn wir morgens während des Frühstücks besprachen, was am Tag zu tun sei, merkte ich, dass er mir vertraute und mich für einen guten Arbeiter hielt. Er mochte auch Rosie, mein Mädchen. Wir wollten in ein, zwei Jahren heiraten. Irgendwann würden wir dann die Farm von Dad übernehmen. Ein paar Kinder brächten auch wieder mehr Leben auf den Hof. Mit harter Arbeit und sparsamem Wirtschaften könnten wir vielleicht sogar neue Maschinen kaufen oder das Haus vergrößern - wer weiß. Rosie würde jedenfalls eine prima Ehefrau abgeben. Wir kannten uns seit unserer Schulzeit und ich konnte sie schon immer gut leiden. Vielleicht war es keine solche leidenschaftliche Liebe wie in den Filmen, die samstags in Harvey's Kino gezeigt wurden. Die gibt es im richtigen Leben sowieso nicht. Da sind andere Dinge wichtiger. Dass man sich aufeinander verlassen kann, zum Beispiel. Und dass man das Land liebt, auf dem man lebt. Bei Rosie war ich mir da ziemlich sicher. Sie sagte immer, wie schön sie unsere Farm fände und dass hier ein guter Platz für eine Familie wäre. Ja, so war das damals. "Keine besonderen Vorkommnisse, Sir!", sagte Bobbie immer, seit er von der Armee zurück war. Mit Bobbie Prewitt und seiner Einberufung zur Army fing alles an. Keiner rechnete damit, dass gerade er Soldat werden würde. Er war das zweite von sieben Kindern. "Wie die Orgelpfeifen", brummte mein Vater, wenn die Prewitts sonntags von der Ladefläche ihres Pickups stiegen, um in die Kirche zu gehen. Bobs größerer Bruder würde eines Tages die elterliche Farm erben und so blieb Bobbie nichts übrig, als sich anderswo umzusehen. Drei Jahre lang half er zu Hause mit, ohne recht zu wissen, was er mit seiner Zukunft anfangen wollte. Eines Tages erschien er dann mit seinen Armeepapieren in der Cafeteria von Teresa und wedelte damit herum, als wolle er die Fliegen der ganzen Südstaaten verscheuchen. Uns allen blieb die Spucke weg. Er hatte sich tatsächlich freiwillig gemeldet. ![]()
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