LeseprobeAntonia Stahn: Als der Nikolaus den kleinen Felix retteteEs ist der 5. Dezember. Wie in jedem Jahr fahren Mama, Papa, Fabian und Florian an diesem Tag in die Berge. Mehr als hundert Stundenkilometer schafft der alte VW-Bus nicht. Niemand ist deswegen böse. "Zu einem schönen Urlaub gehört auch eine gemütliche Anreise, was meint ihr, Jungs?" "Klar, Papa, uns ist nicht langweilig", versichert der sechsjährige Fabian. Florian, der Dreijährige, wiederholt "Tiar, nich landweldig, Papa." Zurzeit findet Florian eben alles gut, was Fabian sagt oder tut. Doch jetzt möchte der Kleine auch mal den Dackel Felix auf dem Schoß halten. "Du bist noch zu klein!" "Nein, bin ich nicht!" Hin und her fliegen die Worte, werden immer lauter. Mama setzt sich zwischen die Kinder. "Schluss, meine Herren", sagt sie ruhig. Sofort sind die kleinen Streithähne still. "Schluss, meine Herren" sagt Mama nur, wenn sie ärgerlich ist. "Ich weiß, wie gut du deinen Hund beschützt, Fabian. So klein ist Florian auch nicht mehr. Gib deinem Bruder die Chance! Ein paar Minuten wird er Felix wohl auf dem Schoß halten können, denke ich." "Und wenn er Felix wieder an den Ohren oder am Schwanz zieht?" "Das machst du bestimmt nicht, Florian, versprochen?" "Mach ich nicht, versprochen!" Zögerlich setzt Fabian den jungen Hund auf Florians Schoß. Haarscharf beobachtet er seinen kleinen Bruder. Florian hält sich an sein Versprechen. Liebevoll streichelt er über Felix' Fell. Der Rauhaardackel genießt die Streicheleinheiten. Bald ist er eingeschlafen. Kurze Zeit später schläft auch Florian. Papa schaut in den Rückspiegel. Fabian lächelt ihm zu. "Worüber denkst du nach, mein Junge?" "Über morgen. Morgen kommt doch der Nikolaus, Papa. Frau Deinert vom Kindergarten hat gesagt, dass der Nikolaus ein Bischof war. Stimmt das, Papa?" "Das stimmt, mein Sohn. Möchtest du mehr über den Nikolaus wissen?" "Sehr gerne, Papa. Den Nikolaus gibt es überhaupt nicht, nur kleine dumme Kinder glauben an ihn, haben Frank und Timo gestern dauernd erzählt. Dabei haben sie richtig fies gelacht." "Schätze, die zwei wollten dich nur ein wenig ärgern", sagt Mama tröstend. "Der Nikolaus war ein Bischof", erklärt Papa. "Man nannte ihn den Bischof von Myra. Er hat vielen armen Leuten geholfen. Kinder aber mochte er besonders gern. 'Traurige Kinderaugen, Kinder ohne Fröhlichkeit darf es nicht geben', dachte er sich. So kommt er jedes Jahr an seinem Namenstag zu den Kindern, um ihnen Freude zu bringen."
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