Eva Markert
Adventskalender zum Lesen und Vorlesen

Leseprobe

16. Dezember: Der freche Teddybär


Philip hatte den zotteligen, braunen Teddy letztes Jahr zu Weihnachten bekommen und seitdem waren die beiden unzertrennlich. Der Bär hieß Bruno und seinen spitzen Ohren und den schwarz glänzenden Knopfaugen entging nichts.

Bruno hatte allerdings eine sehr unangenehme Eigenschaft. Er konnte Philips Gedanken lesen und sprach immer laut aus, was der gerade dachte. Dabei klang seine Stimme haargenau wie Philips, sodass jeder glaubte, Philip hätte es gesagt. Bruno hörte damit auch nicht auf, obwohl Mama ihm schon hundertmal gesagt hatte, dass so was nicht ginge.

Neulich zum Beispiel kam ihnen im Treppenhaus der mürrische Herr Krause entgegen, der immer so ein Theater machte, wenn Philip mal laut war. Bruno wollte an ihm vorbeigehen, ohne Guten Tag zu sagen.

Herr Krause hielt Philip am Arm fest. "Willst du wohl grüßen, wie sich das gehört?"

Da sagte Bruno mit Philips Stimme: "Nein! Ich find Sie doof."

Herr Krause beschwerte sich sofort bei Philips Eltern, die schimpften mit Philip und Philip schimpfte mit Bruno.

Bruno versprach hoch und heilig sich zu bessern.

Trotzdem führte er sich kurze Zeit später wieder unmöglich auf.

In der Stadt trafen sie eine Bekannte von Mama. Bruno musste furchtbar lachen, als er hörte, wie diese Frau hieß. Es war der witzigste Nachname, den er je gehört hatte. Sie hieß nämlich "Schweinebraten".

Frau Schweinebraten guckte beleidigt, weil der Teddy so laut lachte, und Mama glaubte natürlich, es wäre Philip, und sah ihn strafend an, aber Bruno konnte sich erst wieder einkriegen, als Frau Schweinebraten weitergegangen war.

Dann passierte die Sache mit Tante Gerlinde. Die war schon ziemlich alt und hatte ganz schlabberige Lippen, mit denen sie Philip immer zwei oder drei spuckige Küsse ins Gesicht drückte. Er konnte das auf den Tod nicht ausstehen, und an diesem Nachmittag, als Tante Gerlinde ihn wieder packen wollte, rief Bruno laut und deutlich: "Lass das, mit deinem alten Schlabbermund!" So ein Quatsch! Als ob die Tante einen Teddybären küssen wollte!

"Philip!" Mama war wie vom Donner gerührt. "Gerlinde, ich weiß wirklich nicht, was in ihn gefahren ist."

"Ich war das nicht, das war Bruno!", rief Philip aufgeregt.

Mama schaute ihn böse an. Tante Gerlinde schluckte, aber dann antwortete sie: "Ach lass mal, ich versteh das schon."

Philip atmete auf. Das war ja gerade noch mal gut gegangen.

Tante Gerlinde strich ihm übers Haar, und dagegen hatte er überhaupt nichts, denn schließlich mochte er sie ja gern.

Nicht so glimpflich ging die Geschichte mit Mamas Kolleginnen aus. An dem Nachmittag, als sie zum Adventskaffee kamen, benahm Bruno sich wirklich gründlich daneben!

Es fing damit an, dass alle Philip etwas mitbrachten, nur die dicke Marlies mit dem Ferkelgesicht nicht.

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Eva Markert: Adventskalender zum Lesen und Vorlesen Eva Markert
Adventskalender zum Lesen und Vorlesen
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-9809336-5-0

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