Eva Markert
Adventskalender zum Lesen und Vorlesen

Leseprobe

15. Dezember: Der Junge, der dies und das vergaß


"Das ist nun schon das fünfte Mal!" Der Schlierer sah Felix böse an.

"Ich zeig's Ihnen ganz bestimmt morgen."

"Trotzdem. Ich muss deine Eltern verständigen."

Ein Tadel, und das so kurz vor Weihnachten! Felix seufzte.

Zwei Tage später kam der Brief, und es passierte genau das, was Felix erwartet hatte.

Erst schimpften seine Eltern.

"Warum führst du kein Hausaufgabenheft?"

"Das tu ich doch."

"Und warum hast du dann die Aufgaben für Mathe nicht gemacht?"

"Ich habe vergessen, sie ins Hausaufgabenheft einzutragen."

"Dies habe ich vergessen, das habe ich vergessen - immer vergisst du was."

Dann kam die Strafe.

"Damit du eine Zeit lang nicht vergisst, dass man Hausaufgaben machen muss, bleibst du nachmittags in deinem Zimmer, und zwar bis die Weihnachtsferien anfangen."

So ein Mist! Zum Glück war es bis dahin nur noch eine Woche.

Am nächsten Tag gab es schon wieder Ärger. Die Hausaufgaben hatte Felix zwar dabei, dafür aber sein Buch auf dem Schreibtisch liegen lassen.

"Felix", sagte der Schlieren kopfschüttelnd, "eines Tages vergisst du noch, wie du heißt."

Als er von der Schule nach Hause kam, begegnete ihm seine Mutter im Treppenhaus. "Ich gehe einkaufen", sagte sie. "Vergiss nicht, Oma anzurufen."

"Mach ich."

Erst als er in der Wohnung war, begann er zu überlegen. Welche Oma eigentlich? Und warum? Ach, egal. Er würde einfach mit der Lieblingsoma telefonieren. Das war auf keinen Fall verkehrt.

"Hallo, Oma", rief er in den Hörer.

"Felix! Wie schön, dass du anrufst." Oma schwieg. Als Felix nichts sagte, fragte sie: "Was gibt's denn?"

Das wusste Felix ja nun leider auch nicht. "Mama hat gesagt", stotterte er, "dass ich eine Oma anrufen soll."

In diesem Augenblick durchzuckte es ihn wie ein Blitz: Heute war doch Omas Geburtstag! "Ich wollte dir nämlich zum Geburtstag gratulieren", fügte er erleichtert hinzu.

"Aber ich hab doch im Juli Geburtstag."

Felix schwirrte der Kopf. Ach ja, natürlich! Es war die andere Oma, die kurz vor Weihnachten Geburtstag hatte. Er durfte bloß nicht vergessen, die auch noch gleich anzurufen.

"Wo ich dich gerade an der Strippe habe", sagte Oma. "Hättest du Lust, heute Nachmittag mit mir auf den Weihnachtsmarkt zu gehen?"

"Au ja!" Das Herumhocken zu Hause nervte Felix ziemlich. Und wenn Oma ihn mitnahm, würden seine Eltern ihn bestimmt gehen lassen, trotz Hausarrest.

"Wir können dort auch gleich ein paar Weihnachtsgeschenke besorgen."

Weihnachtsgeschenke! Du lieber Himmel, daran hatte er bisher noch gar nicht gedacht.

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Eva Markert: Adventskalender zum Lesen und Vorlesen Eva Markert
Adventskalender zum Lesen und Vorlesen
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-9809336-5-0

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